Zum Inhalt springen
Leichte Sprache

Autismus-GemeinschaftBundesverband · e.V. in Gründung – zur Startseite Stiftung AutismusFörderpartner (externe Seite)

ADHS bei Erwachsenen

ADHS ist keine reine Kinderfrage. Sie beginnt typischerweise im Kindesalter und bleibt in vielen Fällen bis ins Erwachsenenalter bestehen (S3-Leitlinie ADHS, Einleitung). Viele Erwachsene erfahren erst spät, dass sie ADHS haben.

Warum ADHS oft spät erkannt wird

  • Nach der WHO bestehen deutliche Anzeichen schon vor dem 12. Lebensjahr; manche Menschen werden aber erst später im Leben fachlich wahrgenommen (ICD-11, 6A05).
  • Die Mischung aus Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität-Impulsivität kann sich im Laufe der Entwicklung verschieben (ICD-11, 6A05). Wer als Kind sehr unruhig war, ist als Erwachsener vielleicht vor allem unaufmerksam – und umgekehrt.
  • Bei ADHS liegen häufig weitere Störungen gleichzeitig vor, etwa Angststörungen, depressive Störungen oder Autismus-Spektrum-Störungen. Die Leitlinie verlangt, sie bei Hinweisen abzuklären (Empfehlung 1.1.10). Manchmal fällt zuerst nur eine davon auf.
  • Viele Erwachsene berichten in der Selbsthilfe, dass sie jahrelang mit großem Aufwand ausgeglichen haben: mit Listen, Weckern, Druck kurz vor Fristen oder viel Unterstützung aus der Familie.

Wer bei Erwachsenen untersucht

Die S3-Leitlinie sieht bei Erwachsenen Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie, Psychosomatik oder Nervenheilkunde sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für Erwachsene vor (Empfehlung 1.1.2 B).

  • Die Beurteilung beruht bei Erwachsenen überwiegend auf einem klinischen Interview. Ihre Angaben sollen nach Möglichkeit mit denen enger Bezugspersonen abgeglichen werden (Empfehlung 1.1.4).
  • Treten die Anzeichen erst im höheren Lebensalter zum ersten Mal auf, sollen andere Ursachen abgeklärt werden, etwa demenzielle Erkrankungen (Empfehlung 1.1.8).

Mehr dazu: Diagnostik bei ADHS.

Nach der Diagnose

Die Leitlinie sieht vor, dass allen Menschen, die die Diagnose ADHS im Erwachsenenalter erhalten, Psychoedukation angeboten wird – also Aufklärung und Beratung über ADHS (Empfehlung 1.3.4.3). Welche weitere Unterstützung passt, besprechen Sie mit den Fachleuten Ihres Vertrauens.

Viele erleben nach der Diagnose Erleichterung, manche auch Trauer oder Wut über verlorene Jahre. Beides ist verständlich. Der Austausch mit anderen, die das kennen, hilft vielen. Selbsthilfe und Austausch

Ob Sie die Diagnose bei der Arbeit mitteilen, entscheiden Sie selbst. Arbeit

Quellen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11 für Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken, Version 2026-01, Eintrag 6A05 „Attention deficit hyperactivity disorder“ mit den Unterformen 6A05.0 bis 6A05.Z. ICD-11-Browser der WHO, Eintrag 6A05 (externe Seite)
  • AWMF-Register-Nr. 028-045: Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, Langfassung Version 2.0 (Leitlinienupdate 2026). Leitlinie im AWMF-Register (externe Seite)